Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Vor Jahren habe ich einmal ein John-Coltrane-T-Shirt geschenkt bekommen, und eine Kollegin hat mir dankenswerterweise die Tupperware-Käseglocke überlassen, in der das Rezensionsexemplar einer neuen Käsesorte angeliefert worden war. Damit ist der Glam-Faktor der Werbesendungen, die uns erreichen, einigermaßen präzise umrissen. Ist auch gut so. Keep it simple, keep it straight.

Nun scheint aber eine vormals weitverbreitete Unart wieder Konjunktur zu haben: die "originelle" Postsendung. Unlängst erreichten die Redaktion Päckchen, deren aufwendiges Äußeres stark darauf schließen ließ, es befände sich darin die stark downgesizete Version eines Backguts, für die Wien weltweit berühmt ist. Tatsächlich war darin aber nur eine Miniaturtortenschachtel, in der sich nicht die entsprechende Miniaturtorte, sondern nur die Einladung zur Präsentation einer von Hermann Nitsch gestalteten limitierten Tortenedition befand. Das ist doppelter Unfug, sinnloser Materialaufwand und missgeleiteter künstlerischer Ehrgeiz: Aktionisten sollen Torten werfen, aber nicht gestalten.

Eine Torte müsste auch Armin Thurnher bekommen, aber der hat sich in eine gottverlassene Gegend abgesetzt, in der Torten nur mit Panzern und Wasserflugzeugen angeliefert werden können. Wir müssen sie ihm daher im Geiste nachwerfen - quasi eine virtuelle Tortung, zu der wir aber ganz real gratulieren. Mit leeren Mündern, aber aus vollen Herzen.


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