Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Warum landet ein schwarzer Lehrer im Spital, Herr Mahrer?

Mike B., ein Lehrer der Vienna International School, fährt U-Bahn. Er wird mit einem Drogendealer verwechselt - und verhaftet. Nach der Aktion liegt er im Spital. Laut Protokoll klagte Mike B. über Faustschläge der Beamten. Die Polizei hat sich für die Verwechslung entschuldigt, für die Misshandlung nicht, dies wird von der Justiz nun untersucht. Landespolizeikommandant Karl Mahrer über die Häufung von Übergriffen gegen dunkelhäutige Bürger der Stadt.

Herr Mahrer, schon wieder liegt ein Bürger nach einer Amtshandlung im Spital. Der Mann ist nachweislich unschuldig. Was ist bei der Polizei los?

Zunächst muss man feststellen, dass wir Millionen von Bürgerkontakten haben, bei denen nichts passiert. Im vorliegenden Fall wurde der Mann mit einem Dealer verwechselt. Die Beamten versuchten das Opfer der Verwechslung sofort anzurufen, um sich zu entschuldigen.

Der Mann lag schon im Spital. Er sagt, er sei mit Faustschlägen traktiert worden.

Die Beamten wandten Körperkraft an. Das steht fest. Nun suchen wir nach Zeugen, um die Angaben von Mike B. zu verifizieren.

Warum ermittelt in dem Fall eine Einheit der Wiener Polizei und keine unabhängige Instanz?

Die Untersuchungen führt das "Büro für besondere Ermittlungen", es untersteht dem Polizeipräsidenten. Wir haben auch das BIA, den Menschenrechtsbeirat und die Staatsanwaltschaft informiert. Hier wird nichts vertuscht.

Sie suspendierten im Sommer Beamte, die einen Passanten prügelten. Was wurde aus dem Fall?

Es gibt noch immer kein Urteil. Die Verfahren dauern sehr lange. Der Rechtsstaat braucht seine Zeit.

Auch die Polizisten, die Bakary J. folterten, wurden nicht suspendiert.

Ich würde sie am liebsten entlassen. Doch die unabhängige Disziplinarkommission sieht es anders. Die Beamten versehen nun Innendienst ohne Bürgerkontakt. Interview: Florian Klenk


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