Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Warum arbeiten Sie gratis, Herr Luczynski und Herr Jedrasiak?

Aus Zündhölzern baut jemand ein Haus. Dann wird das Häuschen abgebrannt. "Flucht ist nie freiwillig", sagt eine Stimme. Dieser simple Spot läuft derzeit im Fernsehen. Das Sujet taucht auch in Zeitungen, im Radio und auf Plakaten auf. Es handelt sich um eine Kampagne des UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), die Verständnis für Asylwerber schaffen soll.

Das Besondere an der Aktion ist, dass sie nicht von der UNHCR initiiert wurde. Diesmal waren es die Werber von Reichl und Partner, die eigenständig an die Organisation herantraten und eine Kampagne vorschlugen - kostenlos. Von den kreativen Köpfen bis hin zu den Zeitungen, in denen das Inserat erscheint, sah niemand einen Cent für seine Arbeit. "Wir haben es mit politischen Gruppierungen im Land zu tun, die den Begriff, Asylwerber' zu kriminalisieren versuchen. Dem wollen wir etwas entgegensetzen", erklärt Tomek Luczynski, Head of Creation bei Reichl und Partner. Gemeinsam mit Creative Director Radomir Kosma Jedrasiak entwickelte er die Kampagne. Es ist kein Zufall, dass die Idee von zwei gebürtigen Polen stammt. Die beiden kamen selbst als Flüchtlinge ins Land. Luczynski hatte sich bei der Streikbewegung Solidarnos´c´ engagiert, Jedrasiaks Familie floh vor politischen Repressionen. Die beiden beobachteten, wie Flüchtlinge immer mehr zu Sündenböcken wurden. Sie wollen dem negativen Bild des "Asylanten" etwas entgegensetzen. "Wir müssen auch die Frau Waberl auf der Straße ansprechen und sagen:, Frau Waberl, stellen Sie sich vor, Ihr Haus wird abgebrannt und Sie müssen das Land verlassen'", sagt Luczynski. Doch kann ein einzelner Werbespot alle Waberls zum Umdenken bringen? Da sind sich auch die beiden Werber nicht sicher. "Aber wenn niemand anfängt, wird nichts passieren", meint Jedrasiak.


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