"Meine Funktion ist es, Kooperationen zu initiiern"

Feuilleton | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Inge Scholz-Strasser, 57, ist seit 1996 Direktorin des Sigmund-Freud-Museums Wien, seit 2003 Vorstandsvorsitzende der Sigmund-Freud-Privatstiftung.

Falter: Der Psychiater August Ruhs sagt: "Scholz-Strasser versteht nichts von Psychoanalyse." Wie reagieren Sie auf solche Kritik?

Inge Scholz-Strasser: Gelassen. Seit 20 Jahren wird an den amerikanischen Universitäten eine Diskussion darüber geführt, ob man etwas von Psychoanalyse verstehen kann, ohne eine psychoanalytische Ausbildung zu haben. Ich bin keine Psychoanalytikerin und sehe meine Funktion eher darin, gute Wissenschaftler hierherzubringen und Kooperationen zu initiieren.

Wie haben Sie den Freitod Lydia Marinellis wahrgenommen?

Scholz-Strasser: Aus Pietätsgründen möchte ich über ihren Tod nicht sprechen.

Ist es wahr, dass Sie ihr nach ihrer Rückkehr eröffnet haben, dass es kein Geld mehr für ihre Projekte geben wird?

Scholz-Strasser: Nein, Frau Dr. Marinelli hat eine Ausstellung über Freud im Exil geplant. Wir haben das Signal vom Bund bekommen, dass man nicht gleichzeitig ausbauen und Ausstellungen machen kann. In den drei Tagen zwischen ihrer Rückkehr und ihrem Tod haben wir versucht, eine Berliner Ausstellung nach Wien zu bekommen - auf ihren Vorschlag. Es war keine Rede davon, dass Frau Dr. Marinelli nicht weiterhin die wissenschaftliche Leitung der Stiftung überhaben würde.

Mitarbeiter beschweren sich über Ihren Führungsstil. Die wichtigste Mitarbeiterin nimmt sich das Leben. Was läuft hier falsch?

Scholz-Strasser: Die Mitarbeiter, von denen Sie sprechen, haben zum Teil schon vor langer Zeit das Haus verlassen. Der Tod von Frau Marinelli ist Anlass zu Spekulationen, wird aber nicht der Komplexität des Themas gerecht. Uns als eine Institution darzustellen, in der es angeblich ein so schlechtes Betriebsklima gibt und dieses auf mich zurückzuführen sei, ist eine Verkürzung. Viele Mitarbeiter haben das als verletzend und als Beschädigung ihrer Arbeit empfunden.

Interview: Matthias Dusini


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