Nüchtern betrachtet

Im Winter werden die Kühlschränke kleiner

Feuilleton | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Meinen bislang letzten Winterurlaub hatte ich Anfang der 80er-Jahre mit Eltern und Geschwistern im Pinzgau verbracht. Ich habe währenddessen irgendeinen unfassbar faden Klassiker der Pädagogik für die Uni zu lesen versucht und orangegelbe BASF-Kassetten mit Musik von Thelonious Monk gehört. Auf der Rückfahrt erlitt ich im bayerischen Bad Reichenhall eine Panikattacke. Vielleicht ist das der Grund, warum ich auf Winterurlaube nicht so gut zu sprechen bin. Darunter wird ja gemeinhin nicht der Urlaub vom, sondern der Urlaub im Winter verstanden. So sehr ich meteorologische Schreckhaftigkeit verachte, die Menschen Flugreisen buchen macht, sobald man nach 22 Uhr nicht mehr im Ruderleiberl rumlaufen kann, so wenig verstehe ich, warum man dem Winter unbedingt nachreisen muss. Man kann den doch auch in der Stadt genießen und sich daran erfreuen, wie ein paar Dutzend Flocken den Verkehr zum Erliegen


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