Kritik

Himmel und Hölle: Bosch im Kleinformat

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Der Regisseur Christian Suchy, einer der interessantesten Eigenbrötler der Stadt, hat gemeinsam mit dem Dramaturgen Eric Amelin und der Schauspielerin Natascha Gundacker ein kleines, schräges Universum entwickelt. Es wird von der hysterischen Agathe Notnagl (Gundacker) und dem begriffsstutzigen Herrn Irrsiegler (Amelin) bewohnt, zwischen Nonsens und Wahnsinn ist in dieser Welt ein schmaler Grat. Nach dem Provinz-Singspiel "Versuppung & Eintopfung" (2007) bringen die drei in ihrer neuen Arbeit "Bosch, H. - Ein Weltgerücht" Himmel, Erde und Hölle auf die winzige Bühne des Theaters Olé. Vorlage ist das Triptychon "Das Weltgericht" von Hieronymus Bosch, welches von Notnagl und Irrsiegler gnadenlos auf deren Niveau heruntergebrochen wird. Das Triptychon ist ein zweiflügeliges Fenster, der Baum der Erkenntnis ein Garderobenständer, und die boschesken Grausamkeiten werden mit Puppen und Gemüse nachgestellt. Das alles ist passagenweise ziemlich witzig, macht insgesamt aber einen etwas bemühten Eindruck. Die Kunstfiguren können einem mit der Zeit ganz schön auf den Wecker gehen, und szenisch waren Suchy & Co. schon origineller. Wer sich noch an den Zappa-Abend "Pudel & Pinguin" erinnert, wird mit einer schönen Coverversion von "The Torture Never Stops" getröstet.

Theater Olé, Fr, Sa, Do 20.00 (bis 28.2.)


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