Neu im Kino

Kein schönes "Wiedersehen mit Brideshead"

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 08/09 vom 18.02.2009

Dies ist die Geschichte von Charles Ryder, einem erfolgreichen Maler, der während seiner Jugendjahre als Student der Geschichte in Oxford zweifelhafte Bekanntschaft mit der englischen Aristokratie der Zwischenkriegszeit machte. Sie basiert auf dem 1944/45 verfassten Roman von Evelyn Waugh gleichen Titels, "Wiedersehen mit Brideshead", der Anfang der 80er-Jahre als Fernsehsaga in elf Teilen der BBC eine ihrer Sternstunden bescherte und Schauspieler Jeremy Irons zum Star machte.

Nun haben Großbritanniens führende Kostümfilmexperten - Regisseur Julian Jarrold ("Becoming Jane"), Autor Jeremy Brock ("Mrs. Brown"), Produzent Robert Bernstein ("Charlotte Gray") usw. - Hand angelegt und den Stoff erstmals fürs Kino adaptiert. Resultat ist ein getragen, eher umständlich als elegant inszeniertes Melodram, dessen Um und Auf die wechselvolle Dreiecksbeziehung zwischen Charles Ryder und den Kindern des Adelsgeschlechts der Marchmains ist; beide, Sebastian wie Julia, stehen unter der Knute ihrer streng katholischen Mutter (kaum wiederzuerkennen: Emma Thompson), deren menschliche Eiseskälte und religiöser Fanatismus auch ihr Leben dominiert.

Sein dramatisches Potenzial kann der Film nur aus einem Verrat an der Romanvorlage schöpfen. Anders als die Figuren bei Waugh, deren Seelenpein ihre Ursache in der Abwendung von Gott hat, nehmen die Filmemacher den Katholizismus ganz banal nur als Hindernis bei Sebastians und Julias - letztlich erfolgloser - Suche nach einem selbstbestimmten Leben und individuellem Glück. Depression und Zweckheirat folgen. Vergeblich sucht der Erzähler, der im Zweiten Weltkrieg als Offizier kurz auf den Landsitz der Marchmains zurückkehrt, die Faszination von einst wiederzufinden: Was hatte es ihm damals so angetan? Julia, Sebastian, ihr Lebensstil? God only knows!

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige