Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 09/09 vom 25.02.2009

Frau Reichl-Schebesta, warum zeigen Sie uns eine arme Sau?

Schweine sind beliebte Werbetiere. Das zeigt schon seit Längerem die „Ja! Natürlich“-Reihe. Da darf ein putziges Ferkerl Schmetterlinge jagen, Joghurt ausschlecken und die Schulbank drücken. Herzig ist das.

Jetzt wird das Schwein aber auch zum Protagonisten einer weiteren Kampagne, die nicht auf eine Biomarke, sondern eine Tierschutzorganisation zurechtgeschnitten wurde. „Vier Pfoten“ wirbt mit Plakaten, auf denen jeweils ein Schwein, ein Hund oder eine Kuh panisch in die Kamera starren. Kein Zweifel, diese Viecher haben Angst um ihr Leben.

„Es geht ums Aufrütteln, ums Bewusstseinschaffen dafür, was ich einem Tier antue, wenn ich Billigfleisch kaufe“, sagt Gerda Reichl-Schebesta, Leiterin der Kreativabteilung von TBWA\Wien. Es ist kein Zufall, dass die Tiere auf den Plakaten so menschlich aussehen. Der renommierte Werbefotograf Bernd Preiml machte zwar Aufnahmen von lebenden Tieren, die Bilder wurden dann aber am Computer nachbearbeitet. Jetzt erinnern die Gesichtszüge der Viecher an Menschen.

Mitgefühl – das will die Kampagne mit ihren Plakaten, Radio- und TV-Spots auslösen. Im Fernsehen sieht man eine Kuh vor dem Schlachtschussapparat. Ihr kurzes Leben rast an ihrem geistigen Auge vorbei. „Wir zeigen keine schockierenden Bilder, sondern richten die Kamera auf den traurigen Alltag dieser Tiere“, sagt Reichl-Schebesta.

Obwohl die Spots von „Ja! Natürlich“ und „Vier Pfoten“ ganz andere Assoziationen auslösen, verwenden sie doch das gleiche Muster: Das Tier dient als Identifikationsfläche. Einmal symbolisiert das Ferkel ein kleines Kind. Ein anderes Mal soll sich der Zuseher in den Augen des Schweins wiedererkennen. Der Slogan der neuen Kampagne fordert auch „mehr Menschlichkeit für Tiere.“


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