Kritik

Doppelt auf der Flucht: daskunst im Kosmos

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 09/09 vom 25.02.2009

Hinter dem Titel „Warum das Kind in der Polenta kocht“ steckt eine zweifache Fluchtgeschichte. Zum einen geht es, basierend auf Erlebnissen der Autorin Aglaja Veteranyi, um die Lebensgeschichte eines rumänischen Zirkuskindes. Zum anderen handelt es sich um ein wandelbares Märchen, das das Mädchen immer dann von seiner älteren Schwester erzählt bekommt, wenn sie sich fürchtet. Und zum Fürchten gibt es viel: von der Flucht aus Rumänien über die Wanderschaft durch Europa (während der die Sesshaftigkeit als höchstes Gut erscheint) bis zur Einsamkeit in einem schweizerischen Internat. Das multinationale Theaterkollektiv daskunst bringt im Kosmos Theater eine Geschichte über Fremdsein und Sprachlosigkeit auf die Bühne. Die kindliche Erzählform mit bemalten Kartons, Tüchern, Schattenspiel und Jongleuren passt gut zur ersten Hälfte, in der die Gaukler noch Artisten und Träumer sein dürfen. Für die Vermarktung des Kinderkörpers, an dem das Mädchen alt und die Mutter wahnsinnig wird, reichen die Bilder nicht ganz, doch Humor, Spielfreude und ein eigens komponierter Soundtrack sind auch so überzeugend.

Kosmos Theater, Fr, Sa, So, Mi, Do 20.00


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