Kritik

Schießerei in Blutrot

Lexikon | aus FALTER 09/09 vom 25.02.2009

Der Künstler als Kraftlackel – dieses Modell wurde im Mak bereits mehrfach vorgeführt. Ironie ist dem britischen Künstler Anish Kapoor fremd, dementsprechend andächtig werden seine immer größer ausfallenden Projekte auch besprochen. So wurde etwa der gigantische blutrote Wachsklotz „Svayambh“, den er durch das Münchner Haus der Kunst gleiten ließ, schnell mit dem Horror des Naziregimes in Verbindung gebracht. Dass sich Kapoor auch in Wien dieser Materialmischung bedient, scheint diese kontextorientierte Interpretation Lügen zu strafen. Die ungustiöse Mischung aus Vaseline, Wachs und Pigment dominiert alle vier der gezeigten Großskulpturen. Ganz Bildhauer, führt Kapoor bei den riesigen Plastiken das Prinzip der Subtraktion vor: Die pappige Masse wird ganz langsam von geometrischen Körpern geschabt, was in seiner Dramatik irgendwie an einen Theatervorhang erinnert. Überraschenderweise verlieren sich die Wachsklötze in den großen Mak-Hallen, und die Schau wirkt unterbestückt.

Es soll sich aber wohl ohnehin alle Konzentration auf die Installation „Shooting in the Corner“ richten, wo aus einer Kanone alle 20 Minuten ein Wachsklotz gegen die Wand gedonnert wird. Was soll das sein? Eine Kriegsreferenz, à la blutiger Soldatenkörper? Besonders stolz ist der Künstler auf den Work-in-Progress-Charakter dieser Arbeit, die bis zum Ende der Schau einen Wachsberg von mehreren Tonnen anhäufen wird. Wer kann, der kann – recht viel mehr bleibt von dieser Eindruckschinderei nicht hängen. NS

Mak, bis 19.4.


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