Neu im Kino

Sympathische Bubenkomödie: „Vorbilder?!“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 09/09 vom 25.02.2009

Die unkomplizierten Freuden industrieller Filmproduktion sind momentan kaum wo schöner zu erfahren als in der Hollywood-Bubenkomödie: Dort wächst derzeit selbst ein rasend unoriginelles Formelszenario wie das von „Vorbilder?!“ (im Original: „Role Models“) zu einem kurzweiligen, sympathischen, zum Ende hin sogar richtig ergreifenden Film.

Die Handlung: Zwei Busenfreunde um die dreißig (der Trübsinnige: Paul Rudd, der Stumpfsinnige: Seann William Scott), die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, an High Schools für einen Energiedrink zu werben (Drogenprävention und so), werden wegen Sachbeschädigung zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Ihre Aufgabe: Aufsicht und Leitung für zwei Problemjugendliche, den Dreckspatz Ronnie (Bobb’e J. Thompson) und den abgekapselten Rollenspielfan Augie (Christopher Mintz-Plasse). Dass Regisseur und Co-Autor David Wain („Wet Hot American Summer“) bisher vor allem im Sketchformat gearbeitet hat, ist den kräftigen Nebenpartien (Höhepunkt: die famose Jane Lynch als derangierte Chefin der Mentoring-organisation) ebenso anzusehen wie den eher blassen Hauptfiguren.

Das größte Kunststück des Films: wie er das Fantasy-Rollenspiel mit Ritterkostümen und Schaumstoffschwertern, um das sich Augies Leben dreht, so detailverliebt und beharrlich für Pointen melkt, bis sich die billige Häme irgendwann in ehrliche Hingabe verwandelt. Auch nicht schlecht, weil in der aktuellen Hollywoodkomödie keine Selbstverständlichkeit: Am Ende scheint ein Leben abseits der Bubenhölle möglich, ohne dass gleich Ehen geschlossen („Four Christmases“), Kinder gezeugt („Knocked Up“) oder Nerds zu produktiven Gesellschaftsmitgliedern werden müssen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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