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Politik | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Dürfen wir Meinungsforschern noch glauben, Herr Ulram?

Gleich fünf Meinungsforschungsinstitute (Hajek, Imas, Sora, Gallup und market) hatten für Kärnten einen Zweikampf zwischen Orange und Rot vorhergesagt. Am Wahlabend gab es dann einen glatten Triumph fürs BZÖ. Peter Ulram von Fessel-Gfk erklärt, warum.

Gibt es noch einen Unterschied zwischen Meinungsforschung und Voodoo?

Peter Hajek hatte vor zwei Wochen einen Vorsprung fürs BZÖ vorausgesagt, wenn auch nicht in dieser Größenordnung. Immerhin.

Hajek meint auch, vielleicht mache es Sinn, dass Kärntner Kärntner befragen, weil sie sonst niemand mehr versteht.

Also wir machen das nicht. Das wäre auch skurril.

Gallup-Chef Fritz Karmasin klagt, dass sich kaum jemand deklarieren wollte und er deswegen keine Basisdaten hatte.

Also das ist - Blödsinn. Wenn ich über Kärnten Aussagen machen möchte, muss ich spezifische Umfragen durchführen. Das beginnt bei 400 bis 500 Kärntnern. Bei Bundesumfragen, wie Österreich sie macht, bleiben nur 60 Kärntner über. Das ist Voodoo.

Wurde diesmal mit dem Kopf-an-Kopf-Rennen Politik gemacht?

Ich hatte kurz bei Sora den Verdacht. Die sahen die SPÖ ja noch am Samstag voran. Politik machen wollen vor allem die Parteien. Typisches Beispiel ist Kanzler Werner Faymann, der verkündet, dass seine Partei bei den Europawahlen um vier Prozent hinten liegt.

Was ist der Wert dieser Aussage?

Null. Wahrscheinlich hat er sich nur geschreckt, weil die SPÖ in Kärnten und Salzburg verloren hat.

Wundert es Sie, dass niemand mehr Ihrem Berufsstand glauben will?

Es geht immer darum, ausreichend Daten zu sammeln. Wer dabei spart, muss raten.

Ließ Fessel-Gfk bewusst die Finger von Kärnten?

Nein, ganz banal: Wir arbeiten nur gegen Bezahlung. Ich habe dem nicht eingetroffenen Auftrag nicht unbedingt viele Tränen nachgeweint.

Interview: Barbara Tóth


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