Passion heute: Fleisch gewordenes Erbarmen

Feuilleton | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Ein modernes Tanzstück über eine unmoderne Empfindung: Choreograf Alain Platel erzählt die "Matthäuspassion" neu

Tanzkritik: Bettina Hagen

Der belgische Choreograf Alain Platel hat sich in "pitié!" dem christlichen Thema des Martyriums verschrieben. Wie bei "vsprs", einer Adaption von Monteverdis Marienvesper, arbeitet er dabei wieder mit dem Komponisten Fabrizio Cassol zusammen. Bachs "Matthäuspassion" lieferte den musikalischen Vorwand für einen neuerlichen Exkurs in die Tiefen religiöser Fragestellungen.

Das 1984 gegründete Kollektiv Les Balletts C (Contemporaine) de la B (Belgique) trägt die Handschrift mehrerer kreativer Köpfe, wobei Mitgründer Platel zwar die Konstante im Führungsteam, nicht aber alleiniger Choreograf ist. Für "pitié!" nützt er die stilistische Vielfalt aller Beteiligten, um ein ebenso barockes wie zeitgenössisches Universum zu erschaffen.

Die Bühne scheint zunächst das Abendmahl von Emmaus in einer Turnhalle darzustellen. Neben Kuhfellen hängt ein


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