Sehnsucht im Zeitalter ihrer technischen Reproduktion

Feuilleton | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Der Wandel des Sehens im 19. Jahrhundert veränderte die Welt. Gleich zwei Wiener Ausstellungen widmen sich diesem Thema

Essay: Timm Starl

Das 18. Jahrhundert war wesentlich bestimmt vom Gedanken der Aufklärung, einer Geisteshaltung mit der Ausrichtung, die Welt verstandesmäßig zu erkennen und zu erklären. Nicht mehr der Glaube führte zu einer Deutung, sondern Fakten und Formeln, also Wissen, gewährleisteten ein Verstehen. Wie aber konnte das Wissen vermehrt, der Horizont erweitert werden?

Zunächst galt es, neue Standpunkte einzunehmen und sich andersartige Sichtweisen zu erschließen. Eine der Möglichkeiten bot sich, wenn eine erhöhte Position eingenommen wurde, um - im wörtlichen Sinn - mehr und weiter zu sehen.

Im Juni 1783 ließen die Brüder Montgolfier den ersten Ballon aufsteigen, einen Monat später erfolgte der erste bemannte Flug in Paris. Wer eine Fahrt in der Gondel mitmachte, überblickte nicht nur ein größeres Terrain, sondern sah die unter sich liegenden Siedlungen


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