Eine Seele auf der Höhe ihrer Zeit

Feuilleton | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Am 9. März wäre Richard Engländer, besser bekannt als Peter Altenberg, 150 Jahre alt geworden

Würdigung: Burkhard Spinnen

Dem Dichter Peter Altenberg gönne ich seine Geburtstagsfeiern von Herzen. Denn er braucht sie dringend, und etliche sind ihm bislang vorenthalten oder vergällt worden. Seinen Sechzigsten sehnte er damals herbei, nicht zuletzt, weil er sich davon erneute Aufmerksamkeit für sein Werk und seine Person versprach. Doch er erlebte ihn nicht. In den tumultuarischen Wochen nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie brachten ein paar Leute einfach nicht mehr die Zeit auf, regelmäßig nach dem kranken Dichter zu sehen, und so starb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Vermutlich hätte ihn sein Geburtstag auch sehr enttäuscht. Seine Zeit war ihm voran gestorben.

1934 wäre Altenberg 75 geworden: ein Anlass zu posthumer Feier und Würdigung. Aber da hatten die Nazis schon begonnen, Gegenwart und Erbe der jüdisch-deutschen Literatur zu vernichten. Auch seine ehemaligen


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