Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: High-End-Portugieser

Stadtleben | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Blauer Portugieser heißt konkret gar nichts. Blauer Portugieser ist eine Rebsorte, die über Jahrzehnte hellrote Weinderln ergab, die beim Trinken nicht wehtaten, die angeblich irgendwann vor hundert Jahren einmal berühmt waren, aber da kann sich keiner mehr dran erinnern.

Die Herkunft der Rebsorte liegt im Dunkeln der Weingeschichte verborgen, Portugal ist es jedenfalls mit Sicherheit nicht, in Deutschland macht man gern Rosé draus, in Ungarn kommt er zum "Stierblut" dazu. Christian Fischer (Infos: www.weingut-fischer.at), einer der großen Rotweinpioniere im Süden von Wien, mag den Portugieser trotzdem, liebte immer schon die Herausforderung, probierte es früher schon, daraus einen Wein zu keltern, der auch Ausbau im Barriquefass aushält. Er erregte damit Aufmerksamkeit, wurde aber nicht ernst genommen.

Jetzt probierte er es noch einmal; und zwar versuchte er zusammen mit einem Künstler, der auch die Kisten gestaltet, und einem befreundeten Hobbywinzer, aus den Trauben eines 31-jährigen (das ist alt!) Weingartens alles rauszuholen, unter anderem mit zweieinhalbjähriger Reifezeit im Holzfass, eine Zeitspanne, in der normaler Portugieser längst verendet ist. Das Ergebnis ist erstaunlich: ein seidiger, tiefer, hellroter Wein von verführerischer Frucht und anregendem Trinkspaß, den man sofort für einen Burgunder halten könnte. Nachteil: Es gibt nur 1200 Flaschen davon und es dürfte mit € 17,- außerdem der teuerste Blaue Portugieser der Weingeschichte sein. FH


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