Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Auch du bist ein Hilfspaket

Heute scheint sich das ganze Leben nur mehr ums liebe Geld zu drehen. Alles andere, wie Familie, Zusammenhalt oder gar Bescheidenheit, hat die Mode aus dem Sprachschatz verbannt", klagt ein Betroffener in einem Gastkommentar der Steirerkrone. Sein Name ist Siegfried Nagl, seine Mahnung: Gegen die Krise ist "jeder Einzelne von uns das Hilfspaket". "Der moderne Sozialstaat", beschämt er die Leser, "lässt noch dazu alles als selbstverständlich erscheinen". Alles müsse im Überfluss vorhanden sein.

Und hat er nicht Recht? Wohin man schaut, wird nur mehr gezählt und gerechnet. Ausrangierte Leiharbeiter konstatieren frech, sie kämen mit der Arbeitslose nicht über die Runden. Andere wollen nicht einmal mit ihrem Einkommen auskommen, statt dass sie froh wären, gleich drei Jobs zu haben. Alleinerzieherinnen lungern halbe Tage am Sozialamt herum - und wann bleibt Zeit für die Kleinen?

Dabei hat Nagl sehr wohl Verständnis für die Sorgen der Menschen. Schon im Wahlkampf wusste er: Wenn Grazer Angst um ihre Jobs haben, plagen sie Existenzängste. Und diese müsse man ernst nehmen, auch wenn sie "objektiv nicht begründet sind". Nagl weiß jedenfalls Abhilfe: Die Gestressten sollen in einem "Wohlfühlhaus" in der City dank "größtenteils kostenlosem" Wellness-Angebot entspannen. Am Projekt wird eifrig gewerkt.

Von anderen Wahlkampfschlagern ist dagegen noch nichts zu sehen. Vom groß angepriesenen Sozialpass etwa, mit dem Ärmere billiger Bim oder Schwimmbad nutzen könnten. Haben ohnehin im Vorjahr schon siebzig Prozent mehr Grazer Sozialhilfe eingefordert, als wär's das Selbstverständlichste der Welt. Da gehört jetzt einmal ein bisschen Erziehung her.

Gerlinde Pölsler leitet das Ressort Stadtleben im Steiermark-Falter


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