Kritik

Na bitte, geht doch: Tschechow am Volkstheater

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Es ist 24 Jahre her, dass am Volkstheater zum letzten Mal Tschechow gespielt wurde. Offenbar war man der Ansicht, weder die Schauspieler noch das Publikum zu haben für subtil instrumentierte Tragikomödien über vergeudete Lebenszeit auf russischen Landgütern. Es ist 22 Jahre her, dass eine Inszenierung von Thomas Schulte-Michels beim Theatertreffen in Berlin gezeigt wurde. Der Regisseur galt als Talent, doch aus der ganz großen Karriere wurde nichts. Jetzt ist er am Volkstheater gelandet, wo er ausgerechnet mit Tschechows "Drei Schwestern" debütierte.

Die kurze, unsentimentale und komische Aufführung verweigert die gewohnte Samowar-Atmosphäre; fast wie in einer Sitcom spielt sich alles rund um ein (riesiges) Sitzmöbel an der Rampe ab. Ergebnis ist ein direkter, burlesker Abend, der nicht zuletzt deshalb überraschend gut funktioniert, weil Schulte-Michels offenbar sehr gut mit Schauspielern kann. Claudia Sabitzer (Olga), Heike Kretschmer (Mascha) und Luisa Katharina Davids (Irina) sind drei starke Schwestern, und auch die Herren von Bargen, Frieb und Kamper hat man schon lange nicht so gut gesehen. Wenn jetzt auch noch das Publikum über seinen Schatten springt, sollte der Tschechow-Bann am Volkstheater gebrochen sein.

Volkstheater, Fr, Sa, So, Do 19.30


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