Kritik

Stickarbeit in böser Absicht

Lexikon | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Wenn hilger contemporary der im Iran geborenen Künstlerin Sara Rahbar und der in Wien lebenden Schweizerin Nives Widauer eine Doppelausstellung widmet, so scheitert dieses Unterfangen schon allein am fehlenden Platz. Viel zu viele Arbeiten wurden in die Ausstellungsräume gepresst, sodass die ohnehin üppigen Bildschöpfungen durch die Menge entwertet wirken. Rahbar näht aus orientalischen Stoffen Fahnen, die auch von Munitionsgürteln und Fragmenten der US-Fahne durchkreuzt werden. Dass damit auf die Nähe von Patriotismus und militärischem Nationalismus angespielt werden soll, erscheint reichlich banal. Rahbars Fotoinszenierungen mit dem Titel "Love arrived & how red" zeigen schwarz vermummte Frauen in Brautkleidern und dramatischen Posen. Offenbar Anspielungen auf die Tragödien, die das gesellschaftliche Gebot der jungfräulichen Heirat mit sich bringt.

In ihrem "Minor Catastrophies" betitelten Ausstellungsteil bieten Nives Widauers kitschige Stickvorlagen den Hintergrund für subversive Eingriffe. So stickt die Künstlerin etwa Frauenleichen in pittoreske Alpenlandschaften oder Hakenkreuze an die Knopfleiste einer Bäuerin. Eine charmante Idee, die in der schieren Menge aber endlos ausgewalzt erscheint. Noch weniger funktioniert auf dem begrenzten Platz die Installation "Felix Austria", die braune Kochtöpfe in Österreich-Form stapelt. Die Nähe heimischer Tourismusikonen zur Peinlichkeit hält die Künstlerin in ihrem Video "Slipping" fest, wenn sie einen Lipizzaner filmt, dessen Bereiter im Frack ausrutscht. Schön durchdacht die Präsentationsform dieses Videos, das diskret auf einem Schminktisch läuft. NS

hilger contemporary, bis 21.3.


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