Neu im Kino

Superhelden in Ungnade: "The Watchmen"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 10/09 vom 04.03.2009

Seit Alan Moores zwölfteilige Graphic Novel "The Watchmen" 1986 zum ersten Mal erschien, gilt der DC-Comic als einer der besten seiner Art. Und ebenso lange selbstverständlich als unverfilmbar, weshalb der Stoff im Lauf der Jahre durch mehr Produzentenhände ging, als Superhelden in ihm auftauchen. Und deren gibt es hier nicht gerade wenige, entfaltet doch Moore ein ganzes Netzwerk an einschlägigen Charakteren.

Doch als Identifikationsfiguren sind die Weltenwächter, die sich hier über zwei Generationen erstrecken, denkbar ungeeignet: In einem noch immer von Nixon regierten Amerika der 80er-Jahre scheint der Weltkrieg gegen die Sowjets unvermeidlich, während die in Ungnade gefallenen Superhelden wie der abgehalfterte "Rohrschach" ihr Dasein im Untergrund fristen oder wie der gottgleiche "Dr. Manhattan" fürs Militär arbeiten.

Ganze zweieinhalb Stunden wendet "The Watchmen" auf, um dieses Bedrohungsszenario mit einer Unzahl an Subplots zu verschränken, Moores Idee einer "inneren" Bedrohung gerecht zu werden und seinen Figuren so etwas wie Ambivalenz zu gewähren. Das Ergebnis ist ein in unzählige Episoden zerfallendes Epos, das obendrein regelmäßig dem Schauwert genügen muss.

Dass sich Zack Snyder ("300") der Wächtervereinigung angenommen hat, spielt nach den verunglückten Moore-Adaptionen "V for Vendetta" und "The League of Extraordinary Gentlemen", die der Gesellschaftskritik ihrer Vorlagen nicht im Entferntesten gerecht wurden, aber gar keine Rolle. Denn Moore hat mit Hollywood zum Glück ohnehin nichts am Hut. Womit sich die politische Frage nach den unkontrollierbaren Helden ("Who watches the Watchmen?") endgültig in die hinteren Sitzreihen verlagert.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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