Der letzte Zeuge der bleiernen Zeit

Extra | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Reportage: Joseph Gepp

Ganz am Rand von Wien, im Brachland zwischen den Auffahrten zur Westautobahn, liegt die Druckerei Holzhausen. Ein Containerbauwerk, Industriestil, der Schnee tröpfelt vom Flachdach auf die Autos der Angestellten. Drinnen sitzen junge Menschen vor Computern, Maschinen brummen leise, und an den Wänden künden Hochglanzbilder von den Hochglanzprodukten des Betriebs, Kunstbücher im Rosshaardesign zum Beispiel, oder pseudo-alte Einbände aus pseudo-vergilbtem Schafsleder. Und dazwischen, in einer weißgetünchten, gefliesten Kammer, sitzt Richard Pinter, 57 Jahre alt, aus Schattendorf im Burgenland. Er ist der letzte Vertreter einer vergangenen Epoche. Er ist Bleisetzer.

Früher lag die Druckerei nicht am Stadtrand, sondern war in einem Gründerzeithaus in Neubau untergebracht. Albrecht Dürer und Johannes Gutenberg wachten als Statuen vor dem Tor über den Stolz der Zunft. Drinnen arbeiteten hunderte Setzer vor tausenden Fächern, Laden und Schiebern, gefüllt mit Lettern.


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