Tschechow im Gulag

Erich Klein | Extra | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Die Lagererzählungen von Warlam Schalamow erschüttern, gerade, weil sie auf Anklage verzichten

Jede Erzählung, jeder einzelne Satz wurde zuerst einmal ins Leere geschrieen - immer wenn ich schreibe, führe ich Selbstgespräche, ich brülle, wüte. Die Tränen kann ich dabei nicht zurückhalten. Ich wische sie erst ab, wenn die Erzählung beendet."

Die poetologische Selbstbeschreibung, wie sie der russische Schriftsteller und Dichter Warlam Schalamow (1907-1982) im Essay "Über meine Prosa" gibt, würde bei jedem anderen Autor vermutlich als peinlich angesehen werden. Allein - Schalamow macht deutlich, welche Rolle für ihn Stil und Form des Erzählens spielen, vor allem das gesprochene Wort. Seine Texte über 16 Jahre in Stalins Gefängnissen und im Gulag haben in ästhetischer Hinsicht mehr mit Flaubert oder Tschechow zu tun als mit den sonst bekannten Augenzeugen- oder Erlebnisberichten über den Terror in den Konzentrationslagern des 20. Jahrhunderts.

Karriere in der Verwaltungshaft

"Linkes

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