Verstrickungen eines begabten Karrieristen

Extra | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Gerhard Gnauck durchforstet in "Wolke und Weide" Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre und gibt sich dabei versöhnlich

Über den Großkritiker Reich-Ranicki und seine Tätigkeiten in Polen während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist im deutschen Feuilleton zweimal ebenso kurz wie heftig diskutiert worden. 1994 enthüllte Tilman Jens, der Sohn des berühmten Germanisten Walter Jens, dass Reich-Ranicki zeitweilig für den polnischen Geheimdienst gearbeitet hat. 2002 kamen einige Details dazu heraus.

Dem Kritiker selbst waren stets nur Minimalgeständnisse zu entlocken. Den Geheimdienst stellte er als dilettantische Institution, seine Arbeit als völlig folgenlos hin. Tatsächlich war die Abteilung, in der er in London 1948/49 hochrangig tätig war, jedoch mit der Ausweisung polnischer Exilanten in die Heimat beschäftigt. So manchen erwartete dort die Todesstrafe. Reich-Ranicki gelang es trotzdem, nicht zuletzt auch durch seine Autobiografie "Mein Leben", seine Rolle als eine marginale zu


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