Wandern und Kritzeln: ein Accessist auf Abwegen

Joseph Gepp | Extra | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Die Reisebeschreibungen von Joseph Kyselak, dem Ahnvater des Graffito, erschienen in einer kommentierten Neuauflage

Der Nachruhm wandelt auf verschlungenen Pfaden. Vor fast 200 Jahren lebte in Wien ein kaiserlicher Registratur-Accessist, in heutiger Diktion: Buchhalter. Er kam aus einer einfachen Beamtenfamilie, er starb früh, mit 30 Jahren, an der damals in der Stadt grassierenden Cholera. Vergessen hat man Joseph Kyselak trotzdem nicht.

Fünf Jahre vor seinem Tod, 1825, packte er nämlich sein "nothwendigstes Gepäcke" und zog durch die österreichischen Lande. Der daraus folgende Reisebericht ist 450 Seiten dick, stellenweise schwärmerisch-verschraubt im damals zeitgemäßen Stil, andernorts wieder kühl und sarkastisch, zum Beispiel bei der Beschreibung des steirischen Kurorts Tobelbad nahe Graz: "Dieses (...) unansehnliche Dörfchen soll eine besondere Einwirkung auf Kranke besitzen, ich konnte aber nicht erfahren, ob diese in wunderbarer Hebung des Krankheitsstoffes oder baldigem

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