Kulturschock oder die Vormacht des Olfaktorischen

Extra | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Maria E. Brunner nähert sich dem indischen Subkontinent allzu literarisch - obwohl sie offenbar mehr zu erzählen hätte

Wenn es stimmt, dass nationalistisch gesinnte Inder wegen dessen deutlicher Bilder von indischen Elendsvierteln heftig gegen "Slumdog Millionaire" protestierten (natürlich nur, bis der Film bei der Oscar-Verleihung groß abräumte), dann ist es für die Nerven der Südtiroler Autorin Maria E. Brunner sicher gut, dass ihr Buch nur auf Deutsch erschienen ist. Es besteht aus subjektiven, mal lyrischen, mal drastischen Skizzen von indischen Städten, Straßen, Landschaften und Orten.

Aus diesen atmosphärisch dichten, zuweilen etwas nach Kulturschock riechenden Schilderungen treten Passagen hervor, in denen sich Brunner im Hinblick auf einige nicht unbekannte Schattenseiten des aufstrebenden Global Players kein Blatt vor den Mund nimmt. "Indien kennt kein Mitleid", lautet das Fazit, das sie wiederholt zieht, sei es bei erschütternden Alltagsszenen, wenn Bettler von Autos

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