Tausche Stuhl gegen Gangplatz

Extra | Irene Öhmann | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Die Uni, ein Segen. Selbstbestimmung und Seminare nach eigenem Ermessen. Das funktioniert, wenn man eine eiserne Disziplin hat und tatsächlich die am Semesterbeginn mit Freude gewählten Stunden absolviert. Aber für die restlichen 98 Prozent der Studierenden bedeutet Uni einfach lange schlafen, Fressorgien und ein permanent schlechtes Gewissen, weil wieder mal eine Woche vorüber ist, ohne dass man auch nur in der Nähe der Uni war. Wenn dieses nagende Gefühl in der Bauchgegend ("Ich bekomme Falten um die Augen und mir fehlen immer noch 359 Seminare bis zum Abschluss") zu einem ausgewachsenen Magengeschwür mutiert, ist es Zeit für eine innere Einsicht, die folgende unangenehme Wahrheiten ans Licht führt:

Selbstständige Zeiteinteilung: scheitert an der Disziplin!

Abgabe von Arbeiten: scheitert an der Disziplin!

Absolvierung von Prüfungen: scheitert an der nackten Panik!

Also zurück in einen geregelten Alltag mit striktem Stundenplan - von der Uni zur Fachhochschule. Ein kurzes Hochgefühl überkommt mich, ein Adrenalinkick, denn schließlich habe ich es geschafft: Acht Uhr, ich bin wach und sitze in einem Saal auf einem Stuhl und nicht draußen auf dem Gang. Dieser Kick, den jeder bei einem Wechsel von der Uni zur FH bekommt, übertüncht aber auch die so offensichtlichen Schattenseiten. Es sind vor allem die Einschränkungen. Ein Fach ist für mich vollkommen unnötig (und nach einigen Jahren an der Uni erkenne ich die Unnötigkeitsfächer bereits am Gang des Lektors), macht nichts, interessiert auch keinen, machen muss ich es sowieso. Demokratische Grundzüge gibt`s nur in der Theorie, und während ich auf meinem Stuhl aus dem Fenster sehe, sehne ich mich wieder zurück nach dem Gang in der Uni.


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