Bitte keine U-Boote!

Extra | Stefanie Platzgumer | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Milchmädchenrechnung: Eine Feng-Shui-Zimmerpflanze für Raum E105: 50 Euro. Neue Flachbildschirme für den EDV-Raum: 50.000 Euro. Flug, Kost und Logis für einen Experten, der für eine Vorlesung aus Hamburg eingeflogen wird: 5.000 Euro. Um hohe Bildungsstandards zu gewährleisten, greifen Österreichs Fachhochschulen tief in die Tasche. Und das ist auch gut so - schließlich kann für Bildung nie genug Geld ausgegeben werden. Und der Hamburger wird sein Geld schon wert sein.

Doch Geld ist ein knappes Gut und kann bekanntlich auch für andere Dinge verwendet werden. Für Eurofighter-Mechaniker zum Beispiel. Und wer weiß: Vielleicht brauchen wir bald auch ein U-Boot, um die territorialen Hoheitsgewässer des Landes zu verteidigen...? Weil manche nicht wissen, wo heute die Prioritäten liegen, kommt es dazu, dass die FH-Erhalter die Bundesregierung in offenen Briefen dazu auffordern müssen, mehr Geld für Bildung rauszurücken. Schließlich wurde der staatliche Zuschuss zu einer staatlich gewünschten praxisorientierten Ausbildung seit 15 Jahren nicht mehr erhöht.

Viel größer scheint das finanzielle Loch dennoch an den Universitäten zu sein. Dem gewünschten freien Zugang zur Bildung sei Dank ist man hier noch weit davon entfernt, sich über die Menge an Feng-Shui-Pflanzen, die Tönung der Glasfassaden oder die Größe der Flachbildschirme Gedanken zu machen. An den Unis sorgt man sich darum, überhaupt genügend Computer zu haben. Statt getönter Glasfassaden hätte man lieber mehr Hörsäle. Oder ausreichend Toiletten. Also, liebe FH-Erhalter: Wenn ihr mit eurem Bettelbrief Erfolg haben solltet (den wir euch von Herzen wünschen) und ihr euch eure dringendsten Wünsche erfüllt habt - vielleicht könnt ihr dann den Rest der Fördergelder an die Unis weiterreichen? Ihr müsst es ja nicht an die große Glocke hängen.


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