Kommentar

Einmal geht’s noch: die großen Geschäfte des alten Herrn Flöttl

Bawag-Affäre

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Ein etwas versteckter Exklusivbericht im Standard vom Samstag offenbart eine große Affäre. Das Bawag-Haus am Fleischmarkt wurde um 100 Millionen Euro an eine Stiftung Karl Wlascheks verkauft. So weit, so unspektakulär.

Wäre da nicht das Dachgeschoß der Immobilie. Dort residiert in einer 601 Quadratmeter großen Eigentumswohnung mit einer 430 Quadratmeter großen Terrasse der greise Exchef der Bawag, Walter Flöttl. Auch er verkaufte sein Anwesen – um rund 5,6 Millionen Euro.

Das ist eine stolze Summe. Flöttl hatte die Wohnung von der Bawag in den 90ern ja um nur 600.000 Euro erworben, obwohl sie später von der Finanz auf 1, 5 Millionen Euro geschätzt worden war. Das macht also fünf Millionen Euro Gewinn oder 70 Millionen Schilling. Das ist nur ein kleiner Bonus, den sich Flöttl als Chef der Bawag einst selbst genehmigte. Noch einmal zeigt sich also, wie unverfroren die Gewerkschaftsbank mit ihrem Vermögen verfuhr.

Dabei hatte die Flöttl-Saga so erfolgversprechend begonnen. Großvater Karl Flöttl war Maschinenbauer, Kommunist, KZ-Überlebender und ÖGB-Mitbegründer. Sein Sohn Walter wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, avancierte zum kunstsinnigen Gewerkschaftsbankchef und wurde hofiert.

Dabei hob er ab und wandelte sich zum Bonzen. Seinem Sohn Wolfgang gab er Spielgeld in den „Karibik 1“-Geschäften, von denen nicht nur die Bawag, sondern vor allem Familie Flöttl profitierte.

Die Konsequenzen von „Karibik 2“ sind bekannt. Die Bawag ist verloren. Nur der alte Flöttl macht noch einmal richtig Kasse. Sein Sohn kann sich freuen.


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