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Bücher, kurz besprochen

Politik | Julia Ortner | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Feuchte Träume, Teil 2

Kinder, Kirche, Küche: Dieses verzopfte Image seiner Volkspartei will ÖVP-Chef Josef Pröll loswerden. Abseits des schwarzen Mainstreams arbeitet aber auch der liberale Parteiflügel an Konzepten für eine modernere Variante von Christdemokratie.

Die Wissenschaftler Thomas Köhler und Christian Mertens, Mitbegründer der Initiative Christdemokratie, haben gemeinsam mit ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger Texte zum Thema gesammelt – als Fortsetzung ihres Bands „Stromaufwärts“ aus 2003. Beschäftigten sie sich damals mit Theorie, versucht das neue Buch praktische Beispiele für aufgeschlossene bürgerliche Politik vorzustellen. Im Gegensatz zum Vorgängerwerk sind die Kapitel in Strommetaphern diesmal stromabwärts von der „Quelle“ der Tradition bis zur „Mündung“ der Weltpolitik geordnet.

Die Autorenpalette reicht von Parteigranden wie Andreas Khol (er schreibt über Generationen- und Genderfragen) bis zum Attac-Experten Christian Felber (er macht „zehn Vorschläge für einen gerechten Handel weltweit“) – diese ideologische Breite bringt Spannung in die Ideensammlung und zeigt das Bestreben der Bürgerlichen, sich mit unkonventionellen Ansätzen auch Zutritt zu Kreisen zu verschaffen, in denen das ÖVP-Parteibuch nicht dazugehört. Einer ihrer Visionen aus dem 1. Teil sind die Herausgeber jedenfalls treu geblieben: Sie träumen noch immer von Schwarz-Grün.

Thomas Köhler, Christian Mertens, Christoph Neumayer, Michael Spindelegger (Hg.): Stromabwärts. Böhlau, 284 S., € 29,90


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