Unter einer süßen Kaskade von Bomben

Feuilleton | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

In „Als ob es kein Morgen gäbe“ erzählt Rawi Hage eine knallharte Geschichte aus Beirut

Buchkritik: Karl-Markus Gauss

Wer es mit diesem Roman aufnehmen möchte, mutet sich einiges zu. Etwa die seitenlangen Beschreibungen der Folter, der der Ich-Erzähler, ein 18-jähriger Libanese, unterzogen wird, weil er die guten Geschäfte stört, die die verfeindeten Klanmilizen in Beirut miteinander treiben.

Oder den Jargon eines heranwachsenden Machos, dessen liebstes Spielzeug die Pistole ist, mit der er nicht nur in die Luft oder auf Tauben schießt, und aus dessen Blickwinkel „Als ob es kein Morgen gäbe“ bald forciert abgebrüht und dann wieder geradezu kitschig erzählt wird.

Die erste Liebesnacht mit der neuen Freundin beschreibt Bassam so: „Unter einer süßen Kaskade von Bomben bedeckte ich ihren Körper mit zehntausend Küssen. Kleidungsstücke lagen auf dem Boden verstreut wie Gebetsteppiche. Unsere Körper auf dem Bett waren tanzende Leichen. Noch einmal tausend Küsse, als die


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