Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Großraumsupermarkt ohne Dresscode

Falls Sie selbst noch nicht dort waren: Es ist ungefähr wie die letzte Seite der Asterix-Hefte, wo das versammelte Gallierdorf immer zu raufen anfängt. Jetzt noch ein paar durch die Luft fliegende Salatgurken und Tamponpackerln dazu – und da ist er: der sonntägliche Billa am Praterstern. Anderswo ist der Sonntag noch dem lieben Gott, der Ruhe oder sonst was Angenehmem gewidmet. Hier tobt das High Life. Da drängeln, schieben und stoßen die Einkaufenden. Da steigen sie sich gegenseitig auf die Füße. Da demonstrieren aggressive Einkaufswagerl-Schnauzen und hilflose Achillessehnen die evolutionäre Hackordnung. Da kauft der Obdachlose sein Bier, der Yuppie seinen Rioja und die gestresste Mutter überhaupt alles, was die Familie über die Woche zum Leben braucht. Der Billa am Praterstern ist wie die danebenliegende Großraumdisco. Nur ohne Dresscode. Und voller. An der Kassa steht gerade ein Jugendlicher. Er wird noch lange warten müssen. Er hat einen Schokoriegel und eine Dose Red Bull erbeutet. Als wäre das den Aufwand wert gewesen.


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