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Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Wir machen uns Sorgen

Der Post ist es noch nie so gut gegangen wie in den letzten Tagen. Man spricht über sie, man macht sich Sorgen. Weil, hört man über die Grenzen der Parteien hinweg, der ländliche Raum von totaler „Austrocknung“ und „Ausdünnung“ bedroht wäre, müssten wirklich, wie von der Post AG angekündigt, auch in der Steiermark 33 Postämter zwischen Stainach und Ehrenhausen ihre Pforten schließen. Ist doch super Werbung, oder? Noch einmal einen echten Brief statt einer E-Mail schicken, bevor der gelbe Laden dichtmacht!

Vielleicht kriegt jetzt auch die „Stopp dem Postraub“-Kampagne, für die die Christgewerkschafter vor einiger Zeit sogar ein cooles Video auf YouTube gestellt haben, wieder mehr Zulauf. Dort wird das Bild einer düsteren Zukunft gezeichnet, in der das Bestellen von zehn Deka Extrawurst dereinst, haben erst dubiose „Vertriebspartner“ das Geschäft der Profipostler übernommen, ein ähnlicher Bestellvorgang sein könnte wie das Eröffnen eines Sparbüchleins.

Man muss sich aber auch richtige Sorgen machen. Wenn nämlich die Lebensqualität im ländlichen Raum tatsächlich zu einem großen Teil davon abhängt, dass dort Postbeamte in Zeitlupe altmodische Aufgabescheine ausfüllen, obskure „Geschenkideen“ bewerben oder überteuerte Disney-DVDs verkaufen, dann steht es um das Land wahrlich nicht zum Besten. Noch dazu, wo sich die Phantasie vieler Lokalpolitiker zur Erhöhung der Lebensqualität oft darauf beschränkt, noch einen Kreisverkehr mit Blumeninsel vor die Ortseinfahrt zu knallen oder das Spritzenhaus neu zu streichen. Mehr ist da oft nicht. Mehr Staat? Vielleicht ist „Mehr Post“ ja letztlich doch das bessere Rezept.


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