Frau ohne Frisur, die unter die Haut schneidet

Steiermark | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Die Diagonale widmet der Filmemacherin Mara Mattuschka, Meisterin der Groteske, ein überfälliges Special

Werkporträt: Thomas Ballhausen

Eine Frau rasiert sich vor einem Spiegel den Kopf, das Messer entfernt aber nicht nur das Haupthaar, die Schnitte gehen tiefer, unter die Haut. Der bis zur Unkenntlichkeit bandagierte Kopf gerät in dieser „Ode an IBM“ – so der Untertitel von Mattuschkas „Kugelkopf“ (1985) – zur Matrize. Das vom Verband nur unzureichend aufgesogene Blut dient als Druckfarbe, die klassische Schriftzeichen erzeugt und schließlich auch wieder vollständig tilgt. „Kugelkopf“, zurecht ein Klassiker des österreichischen Avantgardefilms, steht wohl symptomatisch für Mara Mattuschkas Werk und ihr unausgesetztes Spiel mit Veränderung, Verschiebung und Maskerade.

Die Frau ohne Frisur, wie sich Mattuschka selbst bezeichnet, bietet, um einen Gedanken der Literaturwissenschafterin Juliane Vogel aufzunehmen, Schnittmuster weiblicher Avantgarde abseits des Pathos aktionistischer

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