Fragen Sie Frau Andrea

Nieder- und Ober- und Österreich

Kolumnen | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

warum heißt es eigentlich Oberösterreich und Niederösterreich und nicht Hochösterreich und Niederösterreich bzw. Oberösterreich und Unterösterreich?

Liebe Grüße,

Florian Krammer, via Facebook

Lieber Florian,

warum nicht Oberösenstein, Niederösenstein oder Linzerland und Sanktpöltnermark? Oder gleich Pühringen und Pröllingen?

Sehen wir uns einmal den Namensbestandteil Österreich an. Ein Gebiet sehr ähnlichen Namens umfasste ursprünglich Gebiete zu beiden Ufern der Donau, von der Enns im Westen bis zu March und Leitha im Osten. Unter der Dynastie der Habsburger stieg es zu einem prächtigen Herzogtum auf, das auch Gebiete westlich der Enns umfasste. Eine bleibende administrative Teilung des nunmehrigen Erzherzogtums etablierte sich ungefähr 1450. Österreich zerfiel entlang der Enns in die Länder ob der Enns und unter der Enns. Der Volksmund nannte die beiden Kronländer Oberösterreich und Niederösterreich, die Nazis gar Gau Oberdonau und Gau Niederdonau. Entgegen dieser Logik sollten die später wieder zu Bundesländern der heutigen Republik durchgereichten Länder aber eigentlich Oberenns und Unterenns heißen.

Was aber bedeutet der Namensbestandteil Österreich überhaupt? Nach gängiger Lehre taucht der seltsame Name erstmals in einer lateinischen Urkunde, ausgestellt am 1. November 996 am Königshof in Bruchsal, auf. In einer kaiserlichen Schenkungsurkunde wird ein Landstrich erwähnt, der „in der Sprache der Einheimischen Ostarrîchi heißt“. Mit dem Namen Ostarrîchi (spätere Schreibweise: Österreich) wurde das erste Miniösterreich, die kleine Grenzgrafschaft zu beiden Seiten der Donau, bezeichnet, volkssprachlich sei das die Übersetzung für Marchia Orientalis gewesen, sagen die österreichischen Nationalhistoriker. Irrtum, meint Professor Otto Kronsteiner, emeritierter Vorstand des Instituts für Slawistik der Uni Salzburg. Mit Ostarrîchi, wie es die Bauern nannten, sei kein Öster-Reich, kein Reich im Osten, gemeint, sondern ein Berg. Der Ostrik nämlich. Ostarik oder Ostrik, „spitzer Berg“, nannten alpenslawische Bauern des 10. Jahrhunderts einen der Berge ihrer kleinen Heimat. Oberspitzberg und Unterspitzberg also.


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