Vom Volksmöbel zum Luxusgut

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Der Designer Jean Prouvé im Hofmobiliendepot

Der französische Architekt und Designer Jean Prouvé (1901–1984) sorgte vor zwei Jahren für Schlagzeilen, als ein von ihm gestaltetes Fertigteilhaus versteigert wurde. Ein französischer Händler hatte es im Kongo gekauft, in seine Einzelteile zerlegt und nach New York gebracht, wo es von einem Auktionshaus um drei Millionen Euro verkauft wurde.

Dabei sah sich der Pionier präfabrizierter Architektur selbst keineswegs als Luxusdesigner, sondern als „Constructeur“ der Massen. Der gelernte Schmied war Mitglied der Résistance und nach dem Zweiten Weltkrieg in Nancy als Bürgermeister tätig.

Er entwirft und baut Häuser für Obdachlose. 1947 errichtet er die Fabrik „Maxéville“, in welcher vorgefertigte Häuser und Schulen produziert werden. Um auf den steigenden Bedarf reagieren zu können, entsteht 1949 ein eigener Bereich „Möbel“. Als sein bedeutendstes Bauwerk gilt das Volkshaus (Maison du peuple) in Clichy (1935–1939) mit seiner modernen Vorhangfassade.

Das im deutschen Weil am Rhein angesiedelte Vitra Design Museums, das bereits mit Wanderausstellungen über Rudolph M. Schindler und Verner Panton in Wien Station machte, präsentiert nun einen Überblick über Prouvés Werk. Anlass ist dessen 25. Todestag. Gezeigt werden die wichtigsten Originalmöbel, viele originale Architekturelemente sowie Architekturmodelle, Fotografien und Entwurfszeichnungen.

Markenzeichen von Jean Prouvé sind seine einfachen, doch effizienten Designentwürfe. Er schätzte die „Poetik“ im technischen Objekt, erkannte das ästhetische Potenzial in den unterschiedlichen Materialien und brachte es in seinen Entwürfen bestmöglich zur Geltung.

1971 war es Jean Prouvé, der als Juryvorsitzender für den Wettbewerb des Centre Pompidou den kühnen Entwurf der jungen Architekten Renzo Piano und Richard Rogers durchsetzte.

Hofmobiliendepot, bis 21.6.


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