Vernissage

Genre „Noir“: Tote schlafen fest

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Ritualmorde und Teenagersuizide, untermalt von den todessehnsüchtigen Klängen des Death Metal: Der 1973 geborene New Yorker Banks Violette verarbeitet die Exzesse der Jugendkultur zu Installationen mit minimalistischem Gepräge, die bereits das Label „New Gothic Art“ tragen. Nun hat der Künstler gemeinsam mit Kunsthallen-Direktor Gerald Matt die Ausstellung „Fahrstuhl zum Schafott“ kuratiert, die Violettes Kunst mit Film, Fotografie und Musik verknüpft. Im Mittelpunkt steht das Genre des „Noir“, das in Film und Literatur als Zone des Zwielichts gefasst wird. Desillusionierte Antihelden besiedeln diese dunkle Seite der Gesellschaft, etwa in dem Roman „Der Malteser Falke“ von Dashiell Hammett, den John Huston 1941 mit dem genialen Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmte.

Den musikalischen Anteil an der Schau trägt der Soundtrack, den Miles Davis 1958 zum Film noir „Fahrstuhl zum Schafott“ von Louis Malle aufgenommen hat. Schwermütig tönt Davis’ Trompete bei den Improvisationen mit seinem Quintett – ein Stimmungsbild der desorientierten Generation nach dem Indochinakrieg.

Bilder vom Tod, aus nächster Nähe und hart mit Blitz ausgeleuchtet, lieferte der Fotograf Weegee aus den New Yorker Straßen. Von den frühen 30er- bis in die 50er-Jahre schoss Weegee Bilder von Mördern und ihren Opfern, von Gangstern und Schaulustigen. Mit Polizeifunk ausgestattet, war er oft noch vor der Polizei am Ort des Verbrechens. In seinem radikalen Buch „Naked City“ kombinierte der Fotograf Verbrechens- und Unfallfotos mit Bildern von Armen und Obdachlosen. Violette, Hammett, Huston, Miles Davis und Weegee: Man darf gespannt sein, wie so viel Düsternis in einer Ausstellung zusammenwirkt.

Kunsthalle, Eröffnung: Do 19.00 (bis 3.5.)


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