Vernissage

Wenn Konzeptkünstler kichern

Lexikon | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Wie sehen Sie meine Künstlerkarriere in der Zukunft? Diese Frage stellte Christian Jankowski italienischen Fernsehwahrsagern und präsentierte deren Prophezeiungen schließlich als Kunstvideo auf der Biennale in Venedig. Die auf witzige Weise zur Mitarbeit eingespannten TV-Auguren machten den deutschen Künstler 1999 international bekannt. Als „subversiven Humoristen“ bezeichnet ihn die Bawag Foundation, die Jankowskis beliebten Videoperformances jetzt eine Ausstellung mit dem Titel „And Now Something Completely Different“ widmet.

Schon die ersten Arbeiten des 1968 geborenen Künstlers zeugten von einer Leichtfüßigkeit, die bisweilen ans Banale grenzt. So betrat er für „Die Jagd“ einen Supermarkt, wo er die Waren mit Pfeil und Bogen erlegte. Ein Schwerpunkt von Jankowskis Interesse liegt auf den Funktionsweisen des Fernsehens, die er mittels Mimikry analysiert. So stellte er in „Kochstudio“ die Kochserie von Alfred Biolek in seiner eigenen Künstlerküche nach und drehte mit „Kunstmarkt TV“ eine Homeshopping-Sendung für Kunstwerke. Die elitären Bewertungsmaßstäbe des Kunstmarkts werden auch in „China Painters“ ad absurdum geführt: Jankowski reiste dafür zu einer Kolonie von kommerziellen Kunstkopisten in Shenzen und forderte sie auf, freie Gemälde für die in China gerade im Bau befindlichen Museen zu schaffen. Die gezeigten Bilder reichen von Landschaften bis hin zu Kopien klassischer Kunstwerke. Auch durch und durch seriöse Konzeptualisten müssen bisweilen kichern: Jankoswkis jüngste Soundarbeit „Das Lachen von Dan Graham“ beweist diese Behauptung, indem sie aus einem Gespräch mit dem US-Künstler nur dessen heitere Töne filtert. NS

Bawag Foundation, Eröffnung: Mi 19.00 (bis 23. 5.)


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