Kritik

Glaspalast goes Hippiekunst

Lexikon | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Manche Skulpturen von Isa Melsheimer sehen wie Modelle für die Fantasiefestungen im Film „Herr der Ringe“ aus. Die aus unzähligen Glasstückchen zusammengesetzten Burgen beziehen sich aber auf Entwürfe der Architektengruppe Gläserne Kette, zu der in den 20er-Jahren etwa Bruno Taut und Hans Scharoun zählten. Durchscheinende Glasbauten mit einer kristallinen Struktur faszinierten die Baukünstler, die in Briefen ihre expressionistischen Utopien diskutierten. Als Vorbild galt der utopische Text „Glasarchitektur“ von Paul Scheerbart, der sich von einem transparenten Milieu auch eine neue Kultur erhoffte. Ein spannendes Kapitel Architekturgeschichte – allein, Melsheimers Bezug darauf macht aber noch keine interessante Ausstellung. Im Hippie-Style näht die Künstlerin Zitate von Scheerbart auf Fahnen und zeichnet modernistische Bauten in psychedelischer Umgebung. Wie diese regressive Ästhetik zur – wenngleich romantisierenden – Träumerei von gläserner Modernität passen soll, bleibt rätselhaft. NS

Galerie nächst St. Stephan, bis 25.4.


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