Neu im Kino

Mysteriös, ominös, bös: „The Unborn“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Es muss auch Filme geben, die dümmer sind als wir. Also gut, der Anspruch ist gar zu vermessen. Aber hässlicher als wir ist dieser Film bestimmt: Der Schocker „The Unborn“ ist kein Designerhorror, kein von Jungwerbefilmern seriell zusammengestyltes Seventies-Splatter-Remake, kein Nachhall zum atmosphärischen Asia-Geistergrusel. Auch vom kunsthandwerklichen Düster-Look der „Blade“- und „Batman“-Franchises, an denen David S. Goyer mitgearbeitet hat, verrät seine Inszenierung von „The Unborn“ wenig: Der Film kommt formlos und unansehnlich daher, als wäre er „Snakes on a Plane“, nur ernst gemeint – und ohne Schlangen.

Dafür gibt’s maskierte Hunde, Einblicke in Eingeweide, ins Bild schnellende Fratzen, langsames Zugehen auf Figuren, die ostentativ ihr Antlitz verbergen, Albträume zu jeder Tageszeit, Schmalfilmbilder von Mutterns tödlichem Spitalsaufenthalt (mysteriös), raunende blasse Kinder (ominös), Spuk hinterm Spiegel (bös). Eh klar, haben wir das alles schon gesehen, aber nie so viel davon in nur einem Film. Der macht auf unkultig, setzt (schein-)naiv auf die schamhügelbetonende Unterflak der Heldin und – als Novelty komplementär zum katholischen Exorzismus-Spleen – auf ein Bild jüdischer Mythologie, das Fälle von Dibbuk-Besessenheit allen Ernstes auf Doktor Mengeles Zwillingsexperimente in Auschwitz zurückführt.

Vielleicht ist so was hier in Nazi-Leiberl-Land ja ein passender Film zum Thema Heim-Suchung (rund um Mörderdoktor Aribert). Jedenfalls tritt Gary Oldman als Rabbi mit Schofar zur Austreibung an, und eine greise KZ-Überlebende weissagt: „It has fallen on you to finish what began in Auschwitz!“ Klingt arg. Ist auch arg.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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