Kunst Kritik

Herdentrieb trifft auf Stromzaun

Steiermark | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Dass sich das zur Galerie Patrick Ebensperger führende Stiegenhaus gerade im Umbau befindet, dort also geländerbewehrte Umwege für Sicherheit sorgen, passt gut zur Ausstellung „Menagerie“ des Grazer Künstlerpaares zweintopf (Eva und Gerhard Pichler), in welcher stromführende Drähte den Galerieraum teilen, das Publikum in labyrinthartig ausgesteckte Gänge zwingen.

In beiden Fällen stößt die Bewegungsfreiheit der Besucher an sinnvolle Grenzen, die einmal den Totalabsturz, einmal gleichfalls lebenslang gebüßtes Querfeldein-Lustwandeln unterbinden. In der Galerie erfüllen die Stromzäune bester Schafzuchtqualität obendrein den Zweck, eine trickreich gefangene Wildtiermeute aus Handtuch-Origami in Schach zu halten. Schließlich ist die, wie Fotos belegen, zwar blütenweiß, nicht aber starr vor Schreck, nutzt unbeobachtete Momente jedenfalls, um sich in Form und Reih und Glied zu bringen, um anschließend womöglich gegen Weichspüler zu revoltieren.

Das nährt im schlimmsten Fall die Vorstellung, hier würden zwei einander scharf beobachtende Herden aufeinandertreffen und die erprobte Langeweile des Kunstpublikums sollte mit harmlosem Witz nur vorläufig gebrochen sein. Keine Angst! Die Galerie Ebensperger öffnet sich zwar dem in sparsamer Geste Raum neu definierenden Eingriff, hebt sich damit von ihren kommerziell orientierten Mitbewerbern angenehm ab. Aber auch nicht für ewig. Ehe die Tiere auskommen, wird die Ausstellung zu Ende sein. Und Schlange, Krokodil und Äffchen werden, ihre unterschwellige Gefährlichkeit einbüßend, wieder zur kuscheligen Flachware am Handtuchhalter. UT

Galerie Patrick Ebensperger, bis 14.3.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige