Kritik

Das Jenseits ist unbequem wie ein Wartesaal der ÖBB

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

In der Uraufführung des Monologs "Firlinger" vom im Vorjahr verstorbenen Autor Norbert Silberbauer wird auf der Probebühne der Josefstadt heftig an den Festen der katholischen Kirche gerüttelt. Firlinger, der gottesfürchtige Mesner aus der Nähe von Retz, ist von einer herabfallenden Engelsfigur in der Kirche erschlagen worden. Gefangen in einem zeitlichen Vakuum, ist er zunächst siegessicher, was sein Seelenheil betrifft, hat er doch die Zehn Gebote fast immer befolgt, sich bei leichten Vergehen Kieselsteine in die Schuhe getan und das Böse immer bei den anderen gesucht und auch gefunden. Martin Zauner, der unter der Regie von Elke Schwab diesen Mann gibt, wird manchmal von einem undeutlichen Wortschwall übermannt, was seiner schmuddeligen Verliererfigur wenig schadet. Die kühlen, schrecklich unbequemen Wartesessel (überprüfbar am Bahnhof Heiligenstadt) sind das Foltergerät für eine ernüchternde Lebensbeichte, die in einem verzweifelten, in das kollektive christliche Gedächtnis eingebrannten Aufschrei endet.

Theater in der Josefstadt, Probebühne, Fr 20.00 (nächste Termine: 27.3., 14., 17. und 21.4.)


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