Kritik

Sinnlichkeit ohne Sinn

Lexikon | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Der Ausstellungstitel sollte eine Warnung sein. Die meisten Besucher der Schau "Empfindung oder in der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen" werden sich aber wohl nur an den ersten Begriff der Zeile halten. Das unmittelbare Erleben und Gewahrwerden soll sich hierbei auf die "Analyse von Farbe, Form und Material" richten. So weit, so beliebig: Was als Themenschau verkauft wird, entpuppt sich als weit divergierende Gruppenausstellung. Ein Akademieseminar lieferte den Kuratorinnen Eva Maria Stadler und Sabeth Buchmann Beiträge junger Künstler, die sie mit Arbeiten von Etablierten verknüpfen. Saaltexte fehlen - in diesem Fall eine echte Zumutung. So erscheinen die Farbstudien von Jeroen de Rijke und Willem de Roij in puncto Sinnessensation noch schlüssig, auch Kathi Hofers Beschäftigung mit dem Philosophen Ernst Mach, aber schon Constanze Ruhms Fotoserie zu Godards Film "Vivre sa vie" bleibt ohne Infos hermetisch. Gerard Byrne hat Bäume dramatisch ausgeleuchtet fotografiert, die für Becketts Theaterstück "Warten auf Godot" die Kulisse liefern könnten - das Konzept erschließt sich aber ohne Beipackzettel nicht. Konsequenterweise hätte "Empfindung" auf solche Referenzarbeiten verzichten oder die zweite Ebene hinter dem Augenscheinlichen erklären müssen. NS

Augarten Contemporary, bis 24.5.


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