Kunst Kritik

In einem unbekannten Land, vor gar nicht ...

Steiermark | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Die Kulturservice Gesellschaft Steiermark stellt jungen Künstlern (Wohn-)Ateliers auf Zeit im Rondo Graz zur Verfügung. Drei der derzeitigen Stipendiaten präsentieren sich nun in der Ausstellung "Landscapes", womit weniger das klassische Genre an und für sich als dessen Über- und Verformung angesprochen ist. Am nächsten kommt noch Iris Hutegger (Basel) dem, was man traditionell als "Landschaft" titulieren würde. Landschaften - vorwiegend Bergmassive - fotografiert sie, entwickelt ihre Farbfilme als Schwarzweißbilder, denen sie mittels Stickereien erst wieder Farbigkeit verleiht. Was von weitem noch als denkbar ungestörte Naturidylle durchgeht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als recht unsanft konstruiert.

Stephanie Hotz (Berlin) zeigt mit ihren "Grasmaschinen" oder igelartigen Ballungen ganz kleinteiliger Collagen aus rosa und grünen Schnipseln, zu welch intimen Resultaten Landschaftsplanung führen kann. Oder sie lässt den Betrachter einmal Biene Maja sein, zwischen dicht aneinander, raumhoch aufgestellten Riesengrashalmen, die sie gleichfalls aus Papier herstellt, lustwandeln. Warum man dazu Walter Benjamins Auratheorie oder Gernot Böhmes Atmosphärenbeschreibung als theoretischer Grundlage bedarf, hat sicher auch der kluge Alexander nicht gewusst.

Und Marc-Alexandre Dumoulin (Wien/Graz) spart nicht an in jeder Hinsicht giftigen Materialien, wenn er seine Version der Karpaten bildet. So überladen kitschig, wie die sich aus Polyurethanen, Sprühlack und Lametta mit eingesprengter Blumenzier im Raum erheben, gehören sie sofort auf die Einkaufsliste jedes einrichtungsbewussten Chinarestaurants. UT

Rondo, bis 21.3.


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