Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Warum wir 1989 nicht aus Solidarität gelesen werden wollten

Als Redakteur hofft man natürlich, dass die Zahl der Leser zunimmt und die Zahl der Haltungskäufer ab. Haltungskäufer sind solche, die den Falter nicht kaufen, um ihn zu lesen, sondern um ihre Solidarität mit ihm zu bekunden. Fern liegt mir, Sie vor den Kopf zu stoßen, aber ich möchte doch zu bedenken geben, dass es einem ägyptischen Zeitungsverkäufer angenehmer ist, wenn man ihm die Presse abkauft, weil man sie für eine gute Zeitung hält, als deswegen, weil man ihn für einen netten, aber bemitleidenswerten Kerl hält. Oder gar deswegen, weil man weiß, wie schlecht Ägypter in Österreich behandelt werden, weil man ihre Wohnverhältnisse kennt und überhaupt, man seine Solidarität mit der Dritten Welt zum Ausdruck bringen will. Wie gesagt, uns ist es lieber, wir werden gelesen."

Diese Worte fanden sich in einem Text von mir, der erzählt, wie vor einem Jahr, also 1988, Bundespräsident Kurt Waldheim den Falter beschlagnahmen


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