Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Das hat mir gefallen: Die Presse am Sonntag lud - geschicktes Marketing - zu einer öffentlichen Blattkritik am Tag danach. Mag sein, dass es nur eine Pressekonferenz im anderen Gewand war, der Blattmacher lechzt in jedem Fall nach Feedback. Die Presse am Sonntag ist gut designt, mit übersichtlichem Farbleitsystem, mit Marginalspalte und gezeichneten Kolumnistenköpfen. Sie bringt interessante, gut geschriebene Artikel. Die Meinungselemente hängen teils zu entschlossen (Fleischhacker auf Seite 1), teils unentschlossen im Blatt herum, aber das ist nicht weiter schlimm.

Gravierender scheint mir das magere Sportangebot zu sein; am Sonntag möchte man gern ein Alternative zur Krone; die macht ihre Sache diesbezüglich nicht schlecht. Das hiesige Missverständnis, magerer Sport zeichne eine Qualitätszeitung aus, ist notorisch. Insgesamt merkt man der Presse am Sonntag bei allen gelungenen Angeboten (erwähnt sei die Reportage von Doris Kraus über gemobbte Kinder) an, dass das Produkt unter den Umständen seiner Entstehung leidet. Der Reiz guter Sonntagszeitungen besteht darin, dass man dort neue Autoren findet, eben die Abwechslung zur Woche. Die Presse am Sonntag beschränkt sich hingegen darauf, mit gleichem Personal eine siebente Ausgabe zu machen. Die hat dann halt den Beigeschmack, "noch eine Presse" zu sein. Vielleicht ist das aber nur der fachidiotische Blick, der verkennt, dass die Presse am Sonntag sich ein Publikum sucht, das wochentags keine Zeitung liest.


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