"Integration kommt jetzt zu spät"

Politik | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Die türkische Migrationsforscherin Nermin Abadan-Unat glaubt an den Euro-Türken

Porträt: Isolde Charim

Nermin Abadan-Unat ist eine Pionierin: eine der ersten Akademikerinnen und Migrationsforscherinnen der Türkei sowie Begründerin des Lehrstuhls für politische Soziologie in Ankara. Integration ist nicht nur eines ihrer Lieblingsthemen, sie kann sich auch leidenschaftlich über diesen Begriff erregen. Es sei ein zu flüssiges Konzept, vor allem kämen Integrationsmaßnahmen jetzt viel zu spät - vor allem in Deutschland. "Hier haben zwei staatliche Bürokratien eine Art Menschenhandel, oder besser eine Vermittlung von Menschenkräften, unternommen, ohne in diesen Menschen mehr als nur temporäre Arbeitskräfte zu sehen."

Zum Glück sei dies alles bereits vom Transnationalismus überholt. Die Entwicklungen von Kommunikation und Transportmitteln hätten den trägen Nationalismus hinter sich gelassen: "Heutzutage muss ein Migrant seine Wurzeln nicht mehr kappen, seine Brücken nicht mehr abbrechen, wenn er mit den Ländern auch die Welten wechselt", sagt sie in elegantem Deutsch.

Denn ihr eigener Weg hat Abadan-Unat in die entgegengesetzte Richtung geführt. 1921 als Tochter eines Türken und einer Deutschen in Wien geboren, machte sie sich als 14-Jährige alleine auf den Weg in die Türkei. Was sie ins unbekannte Vaterland zog, war ein "Vermächtnis von Atatürk", nämlich die Möglichkeit, dort als Mädchen gratis zur Schule gehen zu können.

Unter dem Titel "Migration ohne Ende. Vom Gastarbeiter zum Euro-Türken" spricht Abadan-Unat am Montag, den 23.3., im Kreisky Forum, Armbrusterg. 15. Anmeldung: 318 82 60-20


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