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Bücher, kurz besprochen

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Gewalt gegen Frauen

Jedes Jahr, meist um den Weltfrauentag am 8. März, geistern dieselben Zahlen durch die Medien: Jede fünfte Österreicherin wird zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt in der Familie, diese geht zu mehr als 90 Prozent von Männern aus. 2008 fanden 1600 Frauen und 1620 Kinder Schutz in österreichischen Frauenhäusern.

Die Format-Redakteurin Martina Madner hat in intensiven Gesprächen mit den Betroffenen die Geschichten hinter diesen Statistiken aufgezeichnet. Drei Frauen, von der Fließbandarbeiterin bis zur Akademikerin, schildern in der Ich-Form, wie sie von der großen Verliebtheit in eine Gewaltbeziehung rutschten, die sich zuerst nur durch psychische Gewalt äußerte, später sind es Rempeleien, Ohrfeigen bis hin zu Mordversuchen der gewalttätigen Partner. Gut an dem Buch ist, dass die Frauen und deren Kinder nicht nur als Opfer dargestellt werden, sondern dass es beschreibt, wie diese sich - teilweise erst nach Jahrzehnten - aus eigener Kraft und mit Unterstützung von Einrichtungen wie Frauenhäusern von ihren Männern trennten und ein neues Leben aufbauten. Dazu gibt es rechtliche Informationen und Adressen von Hilfseinrichtungen. Ein ideales Buch für alle, die sich immer schon fragten, warum Frauen ihre Prügelmänner nicht sofort verlassen, und für Betroffene, die selbst unter einem gewalttätigen Partner leiden.

Martina Madner: Bevor der Tod uns scheidet. Frauen, die sich aus Gewaltbeziehungen gelöst haben. Ueberreuter, 208 S., € 19,95


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