Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

4000 Spritzen täglich. Zu Besuch bei der "Drogenhilfe-Industrie"

Die Drogenpolitik, klagte donnerstags die EU-Kommission, sei in der "Sackgasse". Die Presse ätzte über die "Drogenhilfe-Industrie", die sich "selbst verwaltet", anstatt zu helfen.

Günter Tomschitz und seine Streetworker am Karlsplatz können auf solche Schlagzeilen mit Fakten antworten. 4000 infizierte Spritzen tauschen sie hier jeden Tag in der Beratungsstelle. 600 Suchtkranke (20 Prozent davon Frauen) werden täglich betreut. Sie bekommen auch ärztlichen Rat oder einfach nur ein Tasse Kaffee, um kurz zur Ruhe zu kommen.

Die Streetworker hier sind jene stillen Helden, die im Gerede um eine härtere Drogenpolitik selten zu Wort kommen. Stattdessen organisieren sie Wohnungen, Jobs und Schuldnerberatung. Sie kämpfen gegen HIV und Hepatitis, sorgen dafür, dass keine Spritzen in Parks liegen, und helfen, wenn einer blau anläuft. Das Resultat: Die offene Szene geht zurück, 7000 Patienten stehen in Substitutionstherapie. Ein Ausweg, keine Sackgasse.


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