Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Warum tragen Bankangestellte nichts drunter, Herr Bohn?

Der Spot dauert 50 Sekunden und man weiß nicht so recht, ob man amüsiert oder bekümmert sein soll. Was zunächst wie eine schnöde Finanzberaterwerbung aussieht, entpuppt sich spätestens dann als Persiflage, wenn die Kamera den Blick auf die Beine der Banker freigibt: außer Unterhosen tragen die nichts drunter.

"Wir haben Sie belogen, betrogen und Ihnen Ihre letzten Kröten mit falschen Versprechungen aus den Taschen gezogen", sagt eine geneigte Stimme aus dem Off. "Ihr Geld ist jetzt weg. Aber das sollte Sie nicht abhalten, uns mit Ihren Steuern aus der Patsche zu helfen."

Übertreibung? 2009, Krise und so. Die Gegenglobalisierer von Attac sprechen breitenwirksam aus, was der Stammtisch geldschweren Bankern derzeit nachsagt. Der Spot geht auf den Deutschen Thomas Bohn, 50, zurück, "Tatort"-Regisseur und Gewinner des Goldenen Löwen von Cannes.

Eine "Masse Wut" hätte er bei der Konzeption im Bauch gehabt. Wahrscheinlich durfte Bohns Team deshalb zum Dreh in keine Filiale, weswegen man das Set kurzerhand in der Ausstellungshalle einer Möbeltischlerei aufbaute. Welche Bank lädt schon ihre exponiertesten Gegner zum Antibankenshooting?

Über die Produktionskosten geben die Macher keine Auskunft. Warum die Banker im Clip nichts drunter tragen? "Keine Ahnung", sagt Bohn, "Ideen kommen und gehen."

Vergangenes Jahr wären die 50 Sekunden mit dem Titel "Das Beste" wohl unter antikapitalistische Propaganda aus dem Werbeportfolio gefallen. Seit Ende 2008 läuft der Spot in deutschen Kinos, und seit Mitte Februar auch in 40 heimischen Lichtspielhäusern - und zwar gratis. Für seinen nächsten Film "Lady Rose" sucht Bohn noch Sponsoren: "Finanzjongleure bitte melden!"


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