Technik

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Medien | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Fernsehkonsum am Handy? Das gibt's nur in Italien

Prüfbericht: Thomas Vašek

Können Sie sich noch an die Minifernseher erinnern? Das waren handtaschengroße, batteriebetriebene LCD-Dinger mit Ausziehantenne. Das erste Farb-TV-Gerät von Casio kam schon 1985 auf den Markt. Durchgesetzt haben sich die Taschenfernseher nie. Zu schlecht war die Empfangsqualität, zu hoch der Stromverbrauch. Beim digitalen Handy-TV (DVB-H) sollte eigentlich alles anders werden. Die Bildqualität ist ordentlich. Jeder hat ein potenzielles Endgerät. Und laut aktuellem Digitalisierungsbericht leben bereits mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, die mit TV-Signalen für mobile Empfänger versorgt werden. 2008 konnte man elf konventionelle Fernsehprogramme und vier speziell für die mobile Nutzung erstellte Programme empfangen. Über die tatsächliche Nutzung erfährt man im Bericht allerdings nichts. Letzten November nannte Mobilfunkbetreiber 3 immerhin ein paar vage Zahlen. Von den 600.000 Kunden nutzten demnach 90.000 mobiles TV mindestens einmal im Monat, "einige tausend" davon DVB-H. Die durchschnittliche Verweildauer betrug allerdings nur 5,6 Minuten - weit entfernt von den Verhältnissen in Italien, bei denen mobile TV-Nutzer im Netz von 3 fast eine Stunde pro Tag zuschauten. Handy-TV hat zwei Probleme. Erstens ist die Akkuleistung der Handys für längeres Mobilfernsehen immer noch zu schwach. Und zweitens sitzen während der Hauptsendezeit ohnehin alle zuhause. Wer braucht da Handy-TV?

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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